Wer sich für die Verhältnisse an den Schulen in Deutschland interessiert, insbesondere an den Gymnasien, und mit dem Autor nach den wirklichen Ursachen fragen will, wird sich über die Ergebnisse der PISA-Studie nicht mehr wundern - dagegen sehr über die schlagwortartigen Heilslehren, die nun wieder von allen Seiten zu hören sind, auch aus Schulministerien, und nicht nur aus dem linksideologischen Lager: Noch immer wollen viele den Teufel mit Beelzebub austreiben, mit weiterem Etikettenschwindel, mit noch geringeren Leistungsanforderungen, mit noch weniger Differenzierung, mit Anklagen gegen eine "repressive Pädagogik" und Forderungen nach einer völligen Abschaffung von Noten ...

Mit Blick auf "Erfurt" sei immerhin daran erinnert, dass sich am "Tatort Gymnasium" seit über 30 Jahren ein Klima entwickelt hat, in dem Schule ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag immer weniger gerecht werden kann. Lehrer wurden öffentlich pauschal beschimpft und verhöhnt, auch vom derzeitigen Bundeskanzler ("faule Säcke"). Man wollte und will Schule zum Dienstleistungsbetrieb machen; Lehrer sind für viele "Kunden" ("Bildungsnehmer") dazu da, Kundenwünsche zu erfüllen und die von ihnen erwarteten formalen Qualifikationen zu vergeben, ziemlich unabhängig von der tatsächlich erbrachten Leistung. Über Lehrer, die solche Erwartungen nicht erfüllen, empört man sich, als würden sie anderen ihre Bürgerrechte verweigern. Und wenn besonders schlimmer Narzissmus im Spiel ist und der Betroffene noch durch diabolische Medienvorbilder deformiert ist und sich im Schießverein und täglich viele Stunden im virtuellen Raum in entsprechenden "Problemlösungsstrategien" geübt hat, kann es eben auch dazu kommen, dass man diese "Rechte" einmal mit einer Mordwaffe "verteidigt", nicht etwa in einem "Amoklauf", sondern in einer geplanten Aktion, durch die man mit den anderen wieder "quitt" werden will.

Derartige Anspruchshaltungen in einer Gesellschaft, in der fast jeder erzieherische Konsens verloren gegangen ist, und die Überforderung der zu gering ausgestatteten Schulen mit immer neuen (sozialen und familiären) Aufgaben haben also auch etwas mit den heute für alle sichtbaren Missständen an unseren Bildungseinrichtungen zu tun.